DORP-TV

Wir geben dem Hobby ein Gesicht!

Ralfs Rückblick – Hinter den Kulissen von DORP-TV

Posted by Michael "Scorpio" Mingers - 20. Juni 2008

Hallo liebe DORP-TV-Zuschauer,

nach 37 Video-Beiträgen von zwei großen Rollenspiel-Veranstaltungen dachte ich mir, es wäre vielleicht mal ganz interessant, darüber zu berichten wie der technische Teil der Arbeit von DORP-TV aussieht.

Unsere Arbeit fängt natürlich nicht erst auf der jeweiligen Veranstaltung an, sondern schon lange vorher. Während Scorp die einzelnen Verlage anschreibt und mit Ihnen klärt, ob sie von uns interviewt werden wollen und ihnen die Fragen mitteilt, auf das sie sich drauf vorbereiten können, mache ich mir Gedanken darüber, welches technische Equipment verwendet werden soll und wie ich da ran komme. Absoluter Vorrang hat hier natürlich die Kamera. Da ich privat über einen ziemlich guten 3-Chip-Camcorder aus dem Hause Panasonic verfüge, wird dieser auch primär verwendet. In der Regel leihe ich mir aber, bevor DORP-TV ausrückt, noch einen vergleichbaren Camcorder im Bekanntenkreis aus, denn jedes technische Gerät kann einmal kaputt gehen und es wäre einfach schade, wenn nach wenigen Interviews die Kamera kaputt geht und die ganze Planung dadurch hinfällig geworden ist. Für das Endergebnis bei YouTube ist es egal ob wir eine 1-Chip- oder eine 3-Chip-Kamera, eine Kamera in Standardauflösung oder eine in High Definition nehmen, ob wir auf MiniDV-Band, DVD oder auf SD-Karte aufnehmen, da man bei der starken Komprimierung, welche YouTube vornimmt eh nichts mehr von der hohen Bildqualität sieht. Interessant wird die Wahl des Aufzeichnungsmediums erst beim Schnitt, und die Wahl der Kamera wird erst wichtig, wenn man das aufgezeichnete Material noch für andere Zwecke verwenden möchte. Aber dazu später mehr.

Noch wichtiger wie das Bild ist der Ton. Denn wenn in unserem Fall das gesprochene Wort nicht verständlich ist, kann die Information nicht vermittelt werden. Ferner müssen wir auf eine relativ gute Tonqualität achten, da schlechter Ton als störender empfunden wird, wie schlechtes Bild. Während der Mensch sehr gut darauf konditioniert ist bei einer hohen Umgebungslautstärke (wie z.B. auf einer Messe) das Wichtige herauszuhören, ist das für ein Mikrofon unmöglich. Daher darf man sich getrost von dem Gedanken verabschieden, dass das eingebaute Mikrofon der Kamera für Aufnahmen auf einer Messe schon reichen wird. Zur SPIEL 2007 in Essen war es mir möglich von meinem Arbeitgeber eine wirklich gute Tonausrüstung zu leihen. Zum Einsatz kam ein SHURE BETA 58A-Mikrofon, welches sich durch hohe Stabilität, gute Reduktion von Griffgeräuschen und einen sehr harmonischen Frequenzgang auszeichnet. Zwischen Camcorder und Mikrofon arbeitete ein SQN-Livemischer, wodurch es möglich war den Ton per Hand auf den jeweiligen Gesprächspartner anzupassen. Zur RPC 2008 in Münster stand uns diese Tonausrüstung leider nicht zur Verfügung, wodurch es nötig war auf eine kleine Lösung auszuweichen. Zum Einsatz kam hier ein Elektret-Mikrofon der Firma Philips, welches direkt an den Mikrofoneingang der Kamera angeschlossen werden konnte. Dies hatte zwar die Vorteile, das ich weniger Zeug mit mir rumschleppen musste und mich nur um das Bedienen der Kamera kümmern musste, aber der Ton klingt auch nicht so gut wie bei den Videos von der SPIEL 2007, da die Aussteuerautomatik der Kamera nicht unterscheiden kann, welcher Ton wichtig ist (Gespräch) und welcher nicht (Umgebungsgeräusche und Schlachtzüge der Jugger).

Eine wichtige und gut gemeinte Anmerkung zu geliehenem Material: Es macht Spaß, qualitativ sehr hochwertiges und teures Zeug zu benutzen. Und hier kommt das große Aber. Je weniger einem davon selber gehört, umso mehr sollte man hoffen und vielleicht auch beten, dass von dem geliehenen Material nichts kaputt geht. Ein Beispiel: Wenn das geliehene Elektret-Mikrofon von der RPC 2008 in die Binsen gegangen wäre, wäre das ärgerlich, weil 50 € fällig gewesen wären und man von dieser Quelle vermutlich nichts mehr geliehen bekommt, da man ja offenkundig nicht ordentlich mit dem Zeug umgegangen ist. Wäre allerdings das geliehene Tonmaterial von der SPIEL 2007 kaputt gegangen, wäre das eine Katastrophe, da wir hier über ca. 3.000 € reden. Von diesem Standpunkt aus gesehen, betrachte ich dann die schlechtere (dennoch brauchbare) Tonqualität der RPC-Videos als das kleinere Übel.

Nachdem sich um die Bild- und Tonausrüstung gekümmert wurde, gilt es nur noch das Stativ, genug DV-Bänder, Akkus und das Ladegerät einzupacken. Jetzt ist DORP-TV von der Technik her bereit loszufahren.

Am jeweiligen Zielort angekommen sind Scorp und meine Wenigkeit bereit loszulegen. Wir suchen den Interviewpartner unserer Wahl auf, und während Scorp ein paar Dinge mit ihm klärt und ihn unterschreiben lässt, das wir sein Konterfei veröffentlichen dürfen, mache ich mich nützlich und filme die Atmosphäre am jeweiligen Stand. Dies können die Auslagen, Mitarbeiter, Spielrunden und Plakate sein. Diese Aufnahmen erachte ich persönlich als unheimlich wichtig um später im Schnitt etwas zu haben, was ich alternativ zu den beiden Gesprächspartnern zeigen kann, um den jeweiligen Beitrag visuell aufzulockern und etwas mehr Stimmung von der Veranstaltung dem Zuschauer zu übermitteln.

Wenn Scorp und der Gesprächspartner bereit sind geht das eigentliche Geschäft los. Zuerst schaue ich mir die jeweilige Örtlichkeit an und schlage eine Position vor, wo beide Gesprächspartner visuell reizvoll stehen können (vor einem Plakat, einem Monitor mit bewegten Bildern, im Trubel), welcher aber auch technisch in Ordnung ist. Es muss z.B. eine Position sein, wo das Licht relativ OK ist, also wo die Gesprächspartner und die Umgebung etwa gleich viel Licht abkriegen. Es sieht einfach nicht schön aus, wenn die beiden Dialogpartner überbelichtet sind und der Hintergrund ist in Ordnung. Das Gegenteil sieht auch nicht schön aus, wenn der Hintergrund gnadenlos überbelichtet ist und die Gesprächspartner sind OK. Überbelichtung ist für CCD-Kameras sowieso ein großes Problem, da das Licht, welches auf die Chips fällt und nicht verarbeitet werden kann, als störende Helligkeitsveränderung im Bild bleibt. Manchmal bleibt einem nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, da es einfach nicht möglich ist eine gute Position auszuwählen. Einige Videos von der RPC sind das beste Beispiel. Hier macht sich bemerkbar wie gut der verwendete Camcorder ist. Denn je besser der Camcorder, umso mehr kann man manuell daran einstellen und muss sich nicht blind auf einen Automatismus verlassen (wobei der auch immer besser wird, je hochwertiger die Kamera ist). Und glaubt mir, es ist in lichttechnisch schwierigen Situationen wichtig einstellen zu können wie viel Licht auf den Sensor der Kamera trifft. Bevor es richtig losgeht, spricht der Scorp für mich mal ins Mikrofon, damit ich mit dem an die Kamera angeschlossenen Kopfhörer überprüfen kann, ob der Ton in Ordnung ist. Es wäre wirklich peinlich, wenn man nach Hause kommt und hat die ganze Zeit über keinen Ton aufgenommen hat, weil z.B. das Mikrofon kaputt war. Ein Kopfhörer an der Kamera ist unerlässlich!

In der Regel filme ich die beiden während der Begrüßung in einer Totalen um zu vermitteln wie der Ort beschaffen ist wo wir uns befinden. Bereits in dieser Totalen stellt Scorp die erste Frage. Hier unterbreche ich gerne das Gespräch um die Kamera umzupositionieren um den Befragten in einer Nahaufnahme abzulichten. Dies sieht im fertigen Video schöner aus, bringt aber den Nachteil, dass hier der Redefluss unterbrochen wird und die Spontaneität gezielt abgetötet wird. Ist die Frage beantwortet kann man die Kamera wieder umpositionieren und das Spiel geht weiter. Eine andere Möglichkeit ist, einfach zwischen beiden Gesprächspartnern hin- und herzuschwenken. Dies mache ich auch gerne, da es das Gespräch am Laufen hält. Leider sieht das nicht so schön aus, da man hier eiskalt sieht, dass nur mit einer Kamera gearbeitet wurde. Um die Videos visuell optimal zu gestalten, benötigte man drei Kameras. Eine Kamera erfasst beide Gesprächspartner in einer Totalen, während die beiden anderen Kameras jeweils einen in einer Nahaufnahme filmen. Dies stellt aber vom Aufwand, den Kosten und der benötigten menschlichen Arbeitskraft keine gute Alternative dar, da man auch den Schnitt bedenken muss, wo man dann mit der dreifachen Menge Bildmaterial umzugehen hat. Nachdem das Interview beendet ist geht der Spaß beim nächsten Stand von neuem los.

Wenn man so etwas wie DORP-TV macht, muss man auch an Kleinigkeiten denken. Reichen meine eingepackten Akkus? Habe ich genug Mini-DV-Bänder mit? Vorbereitung ist das A und O. Auf der RPC war es sehr beruhigend zu wissen, dass die DORP einen eigenen Stand hatte, so brauchte ich nicht zu hoffen, dass die Akkus bis zum Abend reichen, sondern konnte sie je nach Bedarf am Stand aufladen. Auf der SPIEL 2007 waren wir froh, dass wir uns an freundlich gesonnenen Ständen die Akkus laden konnten.

Nachdem alle Interviews im Kasten sind, wird erschöpft der Heimweg angetreten. Und jetzt geht der Teil meiner Arbeit los, den ich einerseits sehr gerne tue, welcher andererseits aber auch viel Zeit frisst. Der ganze aufgenommene Kram muss ja auch noch geschnitten werden, damit er nach was aussieht. Das Verfrachten des gefilmten Materials von der Kamera in den Computer geschieht heutzutage recht unkompliziert mittels FireWire-Kabel aus der Schnittsoftware heraus. Nachdem also der digitale Videodatenstrom im Rechner ist, kann man dank des non-linearen Schnitts recht unkompliziert aus dem Rohmaterial etwas Neues kreieren. Ich gehe beim Schnitt der Videos verlagsweise vor. Ich schaue mir das aufgenommene Material eines Verlags beim Eindigitalisieren an und schneide anschließend nicht-verwertbares Material (Aussetzer, Versprecher, Pannen etc…) heraus. Die guten Gesprächsbrocken wandern ins fertige Video. Flugs noch einen Vor- und Abspann drangeklatscht und Atmo-Aufnahmen, bzw. Material welches uns die Verlage zur Verfügung gestellt haben, dazwischen geschnitten. Dann noch schnell die Namen eingeblendet und das DORP-TV-Logo in die Ecke gesetzt. Nun muss das Video noch in ein platzsparendes Format für die Verwendung bei YouTube exportiert werden.

Das Videomaterial, welches die Kamera aufgenommen hat, entspricht der europäischen PAL-Farbfernsehnorm mit einer Auflösung von 720*576 Pixeln. Diese Auflösung ist aber für YouTube unnötig hoch. Daher wähle ich die halbe Auflösung von 360*288 Pixeln und verwende zum Komprimieren den Codec H.264, welcher über ein ziemlich gutes Verhältnis zwischen benötigtem Speicherplatz und Qualität verfügt. 10 Minuten DV-Video, so wie es die Kamera aufgenommen hat, benötigen ca. 2 GB Speicherplatz. Ein fertig geschnittenes und nach H.264 komprimiertes 10 Minuten-Video benötigt nur noch ca. 55 MB. Diese Größe lässt sich recht praktisch bei YouTube hochladen.

Der ganze Prozess hört sich recht kurzweilig an. Das ist er nicht. Man kann mit Eindigitalisieren, Schneiden, Komprimieren und Hochladen pro Verlag mit gut drei Stunden rechnen. Auf der RPC 2008 haben wir 19 Videos gemacht, das entspricht einer Arbeitszeit von ungefähr 57 Stunden. Ich denke diese Rechnung hat ein wenig verdeutlicht, warum es mir nicht möglich war die Videos schneller zum Zuschauer zu bringen. Denn diese drei Stunden stehen neben Studium, Arbeit und Privatleben nicht täglich zur Verfügung. Der geneigte Leser möge mir verzeihen.

Die Original-Bänder aufzubewahren betrachte ich als selbstverständlich. Es ist aber auch sinnvoll die Original-Schnittdateien aufzubewahren. Sei es das ein Verlag einmal eine Kopie in PAL-Qualität wünscht, oder man möchte mal eine DVD aller Interviews erstellen. Hier sind wir an einem Punkt angelangt, an dem es durchaus wichtig sein kann, wie hochwertig das Interview aufgezeichnet worden ist. Vielleicht möchte man auch irgendwann später einmal hingehen und an den Videos was verändern (z.B. wenn dem Scorp nach einiger Zeit auffällt, dass er einen Namen falsch geschrieben hat J ). Dann wäre es sehr unklug, wenn man sich die ganze Arbeit mit Eindigitalisieren und Schnitt noch einmal machen müsste. Als gute preiswerte Massen-Datenspeicher haben sich mittlerweile externe Festplatten heraus kristallisiert. 500 GB kosten mittlerweile schon weit weniger wie 100 € und da liegt ein 56 GB großes Projekt wie von der RPC 2008 ganz gut bis zur weiteren Verwendung. In naher Zukunft (wenn die Preise sich den heutigen DVD-Rohlings- und –Brenner-Preisen angepasst haben) werden BluRay-Discs vermutlich ein noch sinnvolleres Archivierungs-Medium darstellen.

Ich hoffe dieser kleine Exkurs hinter die technischen Kulissen von DORP-TV hat Euch Spaß gemacht und hoffentlich habe ich Euch nicht mit schwerfälligem Technik-Gesülze in die Flucht geschlagen.

Wenn alles glatt geht, sehen wir uns im August wieder zur RatCon.

Eine Antwort to “Ralfs Rückblick – Hinter den Kulissen von DORP-TV”

  1. Ich find`s ganz phantastisch, was für Mühe ihr Euch macht. Und das Motto „Der Szene ein Gesicht geben“ klappt hervorragend, sonst hätte es auf dem Nordcon wohl einige Treffen wegen akuten Aneinandervorbeilaufens nicht gegeben.😉 Also, Dank an Euch, das ist ne tolle Arbeit!!!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: